Mittwoch, 16. September 2015

Hard but beautiful

Hard but beautiful, diese Beschreibung hörten wir fast immer, wenn es um den Pamir Highway ging, egal welcher Abschnitt. Nordroute von Dushanbe nach Khorog? Hard but beautiful. Wakhan Valley? Hard but beautiful. Akbaital Pass? Genau, hard but beautiful. Also kauften wir in Dushanbe kiloweise Essen ein, zogen alle schrauben am Velo an und bereiteten uns mental auf eine harte aber schöne Zeit vor.
So machten wir uns auf, über die Nordroute nach Khorog und verliessen bald die gute Strasse. Den ersten hohen Pass über 3252 Meter befuhren wir relativ locker, dass machte Mut für die weiteren Kilometer. Je näher wir der Passhöhe kamen, desto mehr 5000- und 6000er kamen in unser Blickfeld. Nach dem Pass schlängelte sich die Strasse der afghanischen Grenze entlang nach Khorog. Die Trennlinie ist der Fluss Pany. Eindrücklich, so nah an Afghanistan zu sein, die Kinder spielen zu hören und das Leben auf der anderen Flussseite zu beobachten.
Ab Khorog entschieden wir uns für das Whakan Valley, weil wir uns lange damit befasst hatten. Die Hauptstrasse M41 war seit einigen Tagen wieder offen, so dass im Whakan Valley fast kein Verkehr mehr war. Und wenn schon hard, dann richtig. Die Strecke war größtenteils offroad und es ging immer leicht auf und ab. Zudem meldete sich bei Reto ein Durchfall, der ihm ermöglichte, die Wanderung des Mondes die Nacht durch genau zu beobachten. So waren kaum mehr als 50 km am Tag möglich. Dafür trafen wir während eines Zwangsstopp Claude Marthaler auf einen Schwatz und tauschten Geschichten aus.
Bis Langar ging es durch viele Dörfer im Tal, so dass wir immer mal wieder in einem Homestay übernachten konnten und einen kleinen Einblick in den lokalen, wohl sehr strengen Alltag erhielten. Immer wieder öffnete sich der Blick auf die schneebedeckten Berge des Hindu Kush, beautiful. Ab da stieg die Strasse steil an, die nächsten 120 km war alles offroad, Sandbänke zwangen uns zum Schieben und mit dem Khargush Pass wartete der erste Pass über 4000 Meter auf uns. Die Strecke war hard but very beautiful. Die Höhe bereitete Reto an den ersten zwei Tagen etwas Probleme, ab dann ging es aber sehr gut. Was wichtig war, weil für die nächsten paar Tage kamen wir nicht mehr unter 3800 Meter.
Vor Alichur kamen wir auf die M41 und freuten uns über den Asphalt. In Alichur angekommen, übernachteten wir in einer mit Yak-Kack geheizten Yurte und wärmten uns von der gestrigen, eiskalten Nacht auf.
Ab Murghab fuhren wir zusammen mit den Velölern. Von ihnen hatten wir in Griechenland zum ersten mal von Wo ist das Flickzeug gehört, im Iran sahen wir ihre Velos und in Samarkand schafften wir es zu einem gemeinsamen Nachtessen. So war die Freude gross, als wir ein paar Tage zusammen fahren konnten.
Ab Murghab wartete mit dem Akbaital Pass mit 4655 müM das Dach der Tour. Wenigstens war die Strasse bis kurz vor dem Pass asphaltiert. Wir schafften den Pass der dünnen Luft zum Trotz recht gut, genossen die beeindruckende Aussicht und freuten und auf ein lockeres Runterrollen nach Karakul. So einfach liess uns der Pamir leider nicht runter. Zuerst kamen 13 Kilometer fiese Waschbrett-Strasse, die uns so richtig durchschüttelte. Kaum hatten wir die geschafft, setzte ein kalter Gegenwind ein, der uns zu 1-Kilometer-Ablösungen zwang, so dass wir wenigstens 10 km/Stunde rollen konnten.
Auch am nächsten Tag setzte pünktlich um drei Uhr wieder der Gegenwind ein, diesmal begleitet von einem Sandsturm. Auf die Frage, was wir jetzt tun sollten, antwortete Tom: "a Bode sitze u gränne." Und das war in diesem Augenblick nicht mal die schlechteste aller Optionen. Wir entschieden und dann doch anders und verkrochen uns unter einem trockenen Wasserdurchlass unter der Strasse, tranken einen Schluck Schnapps auf die missliche Lage und verschwanden vor 7 Uhr in den Schlafsäcken um die eiskalte Nacht auszuhalten.
Der letzte Tag in Tadschikistan bot noch mal Mi einen Pass über 4336 müM und einen erstaunlich einfachen Grenzübertritt, dann waren wir in Kirgistan. Auf der kirgisischen Seite war die Landschaft sofort grüner und wir sahen die ersten Pferde. Die Bergkulisse in unserem Rücken war gewaltig und liess uns etwas wehmütig zurück blicken. In Sary Tash verabschiedeten wir uns von den Velölern. Sie fuhren weiter nach China, wir nach Osh, wo wir uns ein Hotelzimmer mit Dusche, richtigem Bett, INTERNET und eigenem WC gönnten, letzteres am ersten Tag ein beliebter Aufenthaltsort von Iris...
Einmalig waren diese Wochen in den Bergen. Viel Weite, beeindruckende und abwechslungsreiche Landschaften, Staunen über das Leben der Einheimischen auf dieser Höhe, Zittern um das Wetter, eisige Nächte, Freude über die Sonnenstrahlen, die die Finger auftauen liessen, dünne Luft, viel Freude über das Erklimmen der Pässe. Wir sind glücklich und stolz, diese Strecke geschafft zu haben.
Nun überlegen wir uns, ob wir auf dem Weg nach Bishkek den Umweg über die A367 fahren sollen. Was dafür spricht: Beautiful. Was dagegen spricht: Hard.


Nicht immer eitel Sonnenschein 


Stau im Whakan


Berge... 


Parallelstrasse auf der afghanischen Seite 


Homestay in einem tadschikischen Haus. Tee und Brot gehörten zum Standard Empfang. 


Berge... 


Berge... 


Noch mehr Berge... 


Sandbänke zwangen uns zum Schieben. 


Pause 


Camping bei Minusgraden 






Unser Zuhause für eine Nacht 


Berge... 


Berge mit Fluss... 


Waschtag


Container Bazaar in Murgab 


Geschafft, wir sind auf dem Akbaital Pass! (Also genau genommen noch nicht ganz, die Tafel stand weit unterhalb der Passhöhe...) 


Berge mit Strasse 


Berge mit See


Trinkwasser Brunnen in Alichur 


Fieser Sandsturm 


Nach Kaffee und einem Schluck Cognac war der Sandsturm vergessen 


So höch obe bini!


Berge mit Velo 


Berge mit Wiese


Berge ohne Wiese 


Und wieder runter 


Culture clash in Kirgistan 


Kommentare:

  1. Hallo zusammen, es ist spannend von eurem Abenteuer zu lesen. Da kommt Veloreisefernweh auf :-)
    Teilweise ist es ja kaum vorstellbar, dass man so etwas unternehmen möchte. Und doch: Solange das "hard" nicht lebensbedrohlich ist, überwiegt das "beautiful" (landschaftlich und emotional).
    Gruss von der Hilfikerstrasse
    Matthias

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    1. Das "beautiful" hat natürlich überwogen, das "hard" tauchte nur phasenweise auf, während "beautiful" fast immer da war.

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