Donnerstag, 30. Juli 2015

Abschied vom Iran

Zum Schluss gaben wir uns nochmal eine volle Ladung Iran. Wir waren in Mashad, einem der heiligsten Orte der islamischen Welt. Dort befindet sich der Imam Reza Schrein, der zum Ende des heiligen Monats Ramadan eine stark besuchte Pilgerstätte ist. Dank präzisen Anweisungen unserer Gastgeber und einem Tschador für Iris gelang es uns, ohne persönlichen Aufpasser in den Schrein zu kommen. Dieser war schon im Innenhof voller Leute, richtig eng wurde es jedoch beim Grab von Imam Reza. Iris wagte sich trotzdem hinein.

Die Eingänge sind Geschlechter getrennt, Männer und Frauen passieren getrennt eine unsichtbare Vernunftschwelle. Hinter dieser legt man Scham und Rücksicht ab und gibt sich voll der religiösen Ekstase hin, mit heulen, winken und stossen.

Während Iris dieses Schauspiel über sich ergehen liess, wartete Reto im Innenhof auf einem riesigen Teppich und beobachtete dort die Männer mit den Staubwedeln. Deren Aufgabe war es, den Schrein reinzuhalten, allerdings nicht von Staub sondern von Frevel und Verderben. Kein hervorlugendes weibliches Haar oder Handgelenk entging ihrem wachen Blick, und wenn sie eines entdeckten, zeigten sie streng mit dem Staubwedel darauf, auf das der angebrachte Keuschheitsgrad wieder hergestellt wurde.

Was im Iran noch folgte, war Visa für Turkmenistan besorgen und  200 km durch schöne, karge Landschaft zur Grenze, dann war Iran Geschichte.

Iran war ein sehr intensives Land für uns. Wir waren überwältigt von der Gastfreundschaft, die sich allerdings manchmal hart an der Grenze zur Bevormundung bewegte. Wobei, darf man sich über zuviel Gastfreundschaft beklagen? Wir haben viel lustiges und kurioses erlebt. Der Ramadan war interessant zu erleben. Allerdings begegneten wir auch vielen Regeln und Verboten, angefangen beim Kopftuch bis hin zum Zwang, nach aussen ein frommes Leben vorzuspielen, will man sich nicht völlig aus der Gesellschaft ausschliessen. Die Rechte und Möglichkeiten der Frauen in der Gesellschaft haben uns viel zu denken gegeben.



Kommentare:

  1. Liebe Iris und Reto

    Endlich wieder einmal ein Lebenszeichen von uns...
    Es ist nicht etwa so, dass wir von Sue ein Blogverbot erhalten hätten, nein als Jungrentner fehlt uns einfach viel Zeit....

    Zuerst musste ich mich wieder etwas in den Blog einlesen, um mir einen Überblick über all eure Erlebnisse zu verschaffen und bin gleich über eine halbe Stunde hängen geblieben. So was von interessanten Schilderungen und Berichten; man wird richtig mitgenommen auf diese Reise. Tja und wenn man sich die Karte anschaut, wird klar, dass ihr euch langsam und stetig dem Ziel der Reise nähert. Sicher habt ihr schon daran gedacht, dass es auch ein Danach gibt.... Wenn wir mit Sue und Tobias zusammen sind, ist eure Reise immer ein Thema und wir nehmen quasi im Abwesenheitsverfahren immer an eurer Reise teil.

    Mein letzter Arbeitstag am 5. Juni war ziemlich ereignisreich, so waren Anne-Marie, Sue, Manuel und Tobias auf der letzten Fahrt von Brig nach Bern dabei. Bei Ankunft dann grosser Bahnhof mit Apéro zuerst auf dem Perron und anschl. noch im Restaurant Grosse Schanze mit vielen Ex- und aktiven Arbeitskollegen. Schliesslich noch Nachtessen im familiären Rahmen im Dählhölzli an der Aare bei besten Wetterbedingungen.

    Eine Woche später machten wir uns auf zu unseren „letzten“ Ferien. Wir waren einmal mehr zu Fuss unterwegs und zwar diesmal auf dem „Anglesey Coastal Path“ (Wales). Während den vierzehn Tagen und rund 210 km mussten wir bloss ein einziges Mal die Pelerinen für ca zehn Minuten überziehen! Das ist schon fast rekordverdächtig für England. Wir bewegten uns am Rand des grossen europäischen Hochs, das Mitteleuropa Rekordtemperaturen von über 35° beschert hat, wovon ihr ja sicher auch gehört habt. In Wales waren es gerade mal rund die Hälfte, aber es für uns bestens. Umso mehr, dass wir auch den Top of Wales/England, den Mount Snowdon bestiegen haben. Das war übrigens alles andere als ein Spaziergang, sondern vielmehr eine veritable Bergwanderung, auch wenn der Berg nur 1085 m hoch ist.

    Jetzt verbringen wir eine verhältnismässig kurze Zeit in der Schweiz, bevor es Mitte September wieder Richtung Portugal geht. Vor zwei Wochen waren wir auch bei Manuel, der seinen zweiten Alpsommer auf der Alp Trütlisberg im Berner Oberland verbringt.

    Der heutige Nationalfeiertag ist eine etwas verregnete Sache, aber ab morgen sind für die kommende Woche wieder sommerliche Temperaturen angesagt. Wir hoffen, sommerliches Wetter hält noch an, bis wir uns nach Südwesteuropa aufmachen.

    Immer alles Gute und herzliche Grüsse


    Marcel und Anne-Marie

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  2. Was mir nachträglich zu all euren Grenz- und Zollgeschichten durch den Kopf gegangen ist: Solange nicht mit einer durchgeladenen Kalashnikov herumgefuchtelt wird, ist alles nicht halb so schlimm ;-)
    ms

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